Strom, Gas, CO2 und Erneuerbare im umfassenden Monatsrückblick
Unsere Themen in diesem Monatsrückblick
Ein Monat der Entlastung – bei gleichzeitig hoher struktureller Empfindlichkeit
Der Februar 2026 war im EnergieMarkt kein Monat eines klaren Richtungswechsels, sondern ein Monat der Korrektur, der Überlagerung und der differenzierten Marktlogik. Auf den ersten Blick wirkten mehrere Entwicklungen entlastend: Stromforwards gaben nach, auch der Gasterminmarkt zeigte im Monatsverlauf eher rückläufige Tendenzen, und die CO2-Preise gingen spürbar zurück. Gleichzeitig blieb das System empfindlich. Wetter, erneuerbare Einspeisung, Speicherstände, LNG-Ströme und geopolitische Risiken wirkten weiter im Hintergrund. Gerade darin liegt die eigentliche Relevanz dieses Monats: Der Februar wirkte ruhiger als die Wochen danach, machte aber bereits sichtbar, wie schnell sich Marktstimmung und Preislogik wieder verschieben können.
Dieser Beitrag bewertet den Marktstand bis Ende Februar 2026. Im Webinar vom 11. März wurden aufgrund der besonderen Marktsituation punktuell aktuellere Daten aufgegriffen, vor allem im Zusammenhang mit der Eskalation im Nahostkonflikt. Die fachliche Bewertung dieses Blogbeitrags bleibt jedoch bewusst auf den abgeschlossenen Analysemonat fokussiert.
Was den Februar 2026 geprägt hat
Der Monat war vor allem durch drei Dinge gekennzeichnet: erstens durch einen spürbaren Rückgang der CO2-Preise, zweitens durch einen wetter- und einspeisungsgetriebenen Stromspotmarkt und drittens durch einen Gasmarkt, der zwar nicht eskalierte, aber in einer fragilen Balance blieb. Genau diese Kombination macht den Februar besonders aufschlussreich. Er wirkte ruhiger als die Wochen danach, zeigte aber bereits jene strukturellen Verwundbarkeiten, die in dynamischeren Marktphasen schnell wieder sichtbar werden.
Strommarkt im Rückblick:
Korrektur am Terminmarkt, hohe Beweglichkeit im Spotmarkt
Am Stromterminmarkt zeigte sich der Februar rückläufig. Die Jahreskontrakte für 2027 bis 2029 gaben im Monatsverlauf nach, ebenso die nahen Quartale 2026. Besonders auffällig war, dass diese Entlastung nicht aus einer grundsätzlichen Beruhigung des Gesamtsystems resultierte, sondern eng mit der Entwicklung am CO2-Markt zusammenhing. Der Strommarkt war damit im Februar weniger ein Ausdruck physischer Entspannung als ein Ausdruck veränderter Preislogik.
Im Spotmarkt blieb das Bild deutlich unruhiger. Der durchschnittliche Day-Ahead-Preis für Deutschland sank im Februar zwar gegenüber Januar, zugleich blieb die Schwankungsintensität hoch. Ursache dafür waren die kurzfristigen Wechselwirkungen zwischen Last, Wind, Photovoltaik und dem Einsatz thermischer Kraftwerke. Gerade darin zeigt sich ein zentrales Merkmal des aktuellen Strommarkts: Monatsdurchschnitte erzählen nur einen Teil der Wahrheit, die operative Realität entsteht im Zusammenspiel vieler kurzfristiger Faktoren.
Der Februar 2026 zeigt eindrücklich, dass Energiemärkte weder über reine Preisniveaus noch über Durchschnittswerte verstanden werden können. Entscheidend ist, welche Faktoren die Bewegung ausgelöst haben – und ob sich daraus eine stabile Entwicklung ergibt oder lediglich eine kurzfristige Entlastung, deren Tragfähigkeit begrenzt ist.
Markus Barella
Preisentwicklung Strom | Spotmarkt
Strom | EEX Day-Ahead
Gasmarkt im Rückblick:
keine Eskalation, aber auch keine Entwarnung
Der Gasmarkt blieb im Februar angespannt, ohne im Monatsverlauf offen zu eskalieren. Die gezeigten Jahres- und Quartalskontrakte gaben moderat nach. Das deutet nicht auf eine stabile Entspannung hin, sondern eher auf eine vorübergehende Marktberuhigung in einem weiterhin sensiblen Umfeld. Winterliche Temperaturen, die Speicherlage, die LNG-Versorgung Europas und geopolitische Risiken blieben zentrale Einflussfaktoren.
Auch im Spotmarkt zeigte sich dieses Bild. Der durchschnittliche THE Day-Ahead lag im Februar leicht unter Januar. Gleichzeitig blieb der Markt empfindlich gegenüber kurzfristigen Änderungen bei Nachfrage, Wetter und Risikowahrnehmung. Genau das ist für die Einordnung des Monats entscheidend: Der Februar war kein Schockmonat, aber ein Monat, in dem die Verwundbarkeit des Gassystems sichtbar blieb.
Einordnung aus Expertensicht: Im Gasmarkt ist es wichtig, zwischen einer vorübergehenden Preisentlastung und echter struktureller Robustheit zu unterscheiden. Der Februar 2026 zeigt eher Ersteres als Letzteres.
Gas | EEX Cal THE | Jahr 2027 – 2029
Erdgas | EEX Day-Ahead
Erdgasspeicher | Deutschland
CO2-Zertifikate und Wechselwirkungen:
der meist unterschätzte Treiber des Monats
Ein besonders prägender Faktor im Februar war der CO2-Markt. Der EUA-Leitkontrakt Dezember 2026 schloss zum Monatsende deutlich unter dem Januar-Schlusskurs. Hintergrund waren politische Diskussionen über mögliche Anpassungen im ETS sowie veränderte Markterwartungen.
Für den Strommarkt war das hoch relevant. Sinkende CO2-Preise wirkten unmittelbar entlastend auf die Terminpreise. Genau darin liegt eine wichtige Lehre des Monats: Strompreise lassen sich nicht allein aus Wetter, Erneuerbaren oder Gas ableiten. Wer den Markt wirklich verstehen will, muss CO2 als eigenständigen und oft marktbewegenden Faktor mitdenken.
Einordnung aus Expertensicht: Wer Strompreise nur über Strom erklärt, verpasst oft den eigentlichen Auslöser. Im Februar kam ein wesentlicher Teil der Marktbewegung aus dem CO2-System. Genau solche Wechselwirkungen sind für Beschaffungsentscheidungen entscheidend.
EUA | EEX EUA Futures | Dec 2016
Rolle der erneuerbaren Energien:
entlastend, aber nicht glättend
Die erneuerbaren Energien spielten auch im Februar eine wichtige Rolle, allerdings nicht in einer einfachen „mehr Erneuerbare = niedrigere Preise“-Logik. Im Zeitraum Januar bis Februar 2026 lag die Windeinspeisung deutlich über Vorjahr, während die PV-Einspeisung darunter blieb. Das führte nicht zu einem gleichförmigen Entlastungseffekt, sondern zu einem veränderten Einspeiseprofil mit sehr unterschiedlichen Wirkungen auf die kurzfristige Preisbildung.
Gerade daraus ergibt sich eine wichtige Marktbotschaft: Erneuerbare senken nicht automatisch jede Volatilität. Sie verändern vor allem die Struktur, in der Lastdeckung, Residuallast und Preisbildung stattfinden. Für Unternehmen heißt das, dass nicht nur das absolute Preisniveau, sondern auch das zeitliche Marktverhalten relevanter wird.
Einspeisung Erneuerbare Energien
Bedeutung für Ihr Unternehmen
Was Sie aus diesem Monat mitnehmen sollten
Der Februar 2026 spricht gegen vorschnelle Markturteile. Weder war der Monat ein klares Entspannungssignal, noch war er bereits Ausdruck der späteren geopolitischen Marktverschärfung. Er war vielmehr ein Monat, in dem mehrere zentrale Marktlogiken gleichzeitig sichtbar wurden: die Abhängigkeit des Strommarkts vom CO2-Preis, die hohe kurzfristige Bedeutung von Wetter und Einspeisung, die Fragilität des Gasmarkts und die fortbestehende Relevanz geopolitischer Risiken.
Für Unternehmen ergibt sich daraus keine pauschale Kauf- oder Abwarteempfehlung. Sinnvoller ist eine strukturierte Schlussfolgerung: Beschaffungsentscheidungen sollten nicht allein an Monatswerten aufgehängt werden. Entscheidend sind vielmehr Risikostruktur, Beschaffungshorizont, Ausschreibungslogik, Spotanteil und die Frage, wie robust die eigene Strategie gegenüber kurzfristigen Marktumschwüngen ist.
Drei praktische Schlussfolgerungen
- Monatsbewegungen sollten eingeordnet, aber nicht isoliert bewertet werden.
- Preisrückgänge sind nicht automatisch belastbare Einkaufsfenster.
- Strategische Beschaffung braucht Struktur, Prioritäten und eine klare Entscheidungslogik.
Genau darin liegt der eigentliche Nutzen einer sauberen Monatseinordnung: Sie ersetzt keine Beschaffungsentscheidung, schafft aber die Grundlage dafür, Entwicklungen realistischer zu bewerten und die eigene Strategie daran zu spiegeln.
Expertenmeinung: Worauf es jetzt wirklich ankommt
Marktbewegungen sollten eingeordnet, aber nicht überdramatisiert werden. Auch eine besondere geopolitische Lage ändert nichts daran, dass Unternehmen belastbare Beschaffungslogiken brauchen. Nicht jeder Preissprung ist automatisch ein dauerhaft neues Marktregime, und nicht jede Entlastung ist automatisch ein gutes Einkaufsfenster. Entscheidend ist, ob die eigene Struktur zur jeweiligen Marktphase passt.
Ebenso wichtig ist die saubere Trennung von Rückblick und Gegenwart. Der Februar 2026 bleibt als Analysemonat ein Korrekturmonat mit sichtbaren Entlastungseffekten. Dass das Webinar wegen der besonderen Situation punktuell aktuellere Daten einbezogen hat, ist fachlich sinnvoll, ändert aber nichts an der Monatsbewertung selbst. Gerade diese Trennung schafft Orientierung statt Hektik und hilft dabei, Marktbewegungen weder zu unterschätzen noch zu überzeichnen.
„Unternehmen brauchen in solchen Marktphasen keine hektischen Reaktionen, sondern eine belastbare Beschaffungslogik. Genau dort trennt sich Beobachtung von Entscheidung.“
Markus Barella
Einordnung zur Aktualität dieses Beitrages
Dieser Blogbeitrag archiviert und erläutert den Marktmonat Februar 2026. Er ist damit bewusst rückblickend angelegt. Das Webinar diente in diesem Fall zusätzlich als Brücke in eine ungewöhnlich dynamische aktuelle Marktlage, ohne die Grundbewertung des Februars aufzugeben. Für Leserinnen und Leser ist genau diese Trennung wichtig: Monatsarchiv und laufende Einordnung erfüllen nicht dieselbe Aufgabe.
Wenn Sie die Inhalte Sie die relevanten Inhalte unserer Marktbetrachtung rückwirkend ansehen wollen, finden Sie nachstehend den Link zum aufgezeichneten Webinar.
Der EnergieMarktreport – Sehen Sie die Aufzeichnung des letzten Monats
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FAQ – Schnelleinblick in die Marktentwicklungen des Februars 2026
1) Was ist im Energiemarkt im Februar 2026 insgesamt passiert?
Der Februar brachte spürbare Preisrückgänge bei Strom, Gas und CO₂. Trotzdem blieb der Markt empfindlich, weil Faktoren wie Wetter, erneuerbare Einspeisung, Speicherstände und geopolitische Risiken weiterhin stark wirkten. Die Entlastung war daher eher kurzfristig als dauerhaft.
2) Warum sind die Strompreise im Februar gefallen?
Die Terminmarktpreise sanken vor allem wegen rückläufiger CO₂-Preise. Diese wirken direkt entlastend auf die Strompreise. Physisch entspannter wurde der Markt jedoch nicht. Im Spotmarkt blieb es wegen Wind, Photovoltaik, Lastwechseln und thermischen Kraftwerken sehr volatil.
3) Wie stand der Gasmarkt im Februar da?
Der Gasmarkt war ruhiger, aber nicht stabil. Die Preise gingen leicht zurück, ohne dass sich die Lage strukturell verbessert hätte. Die Marktstimmung reagierte weiterhin empfindlich auf Wetter, Nachfrage, Speicher und geopolitische Themen.
4) Welche Rolle spielten CO₂-Zertifikate?
CO₂ war einer der wichtigsten Preistreiber. Der Leitkontrakt für Dezember 2026 fiel deutlich. Das senkte die Stromterminpreise spürbar. Der Monat zeigt klar: Ohne CO₂-Preis versteht man die Strompreisentwicklung nicht vollständig.
5) Haben Wind und Solar die Strompreise beruhigt?
Nur teilweise. Die Windeinspeisung war hoch, die PV-Einspeisung niedriger. Das führte nicht zu einer gleichmäßigen Entlastung, sondern zu neuen Mustern bei der kurzfristigen Preisbildung. Erneuerbare glätten die Preise nicht automatisch – sie verändern die Struktur des Marktes.
6) Was bedeutet der Februar 2026 für Unternehmen?
Unternehmen sollten Preisrückgänge nicht automatisch als gutes Einkaufsfenster sehen. Monatswerte müssen eingeordnet werden. Entscheidend sind eine klare Beschaffungsstrategie, ein definierter Zeithorizont und die Bewertung der eigenen Risiken.
7) Wie kann man die Energiemärkte künftig sinnvoll verfolgen?
- EnergieMarktreport: monatliche, kompakte Bewertung der wichtigsten Markttreiber.
- Webinar: vertiefte Einordnung und – wenn nötig – aktuelle Perspektiven.
- Individuelle Analyse: Bewertung der Auswirkungen auf die eigene Beschaffungsstrategie.
8) Was ist die wichtigste Erkenntnis aus dem Februar 2026?
Der Monat zeigte Entlastung, aber keine stabile Entwarnung. Wer Marktbewegungen nicht nur oberflächlich betrachtet, sondern sauber einordnet, trifft bessere, robustere Beschaffungsentscheidungen.
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