Strom, Gas, CO2 und Erneuerbare im umfassenden Monatsrückblick
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Unsere Themen in diesem Monatsrückblick
Risikoprämien werden wieder sichtbarer
Der August 2026 war weniger von neuen Marktmechanismen als von deutlich sichtbarer gewordenen Risikoprämien geprägt. An den Strom- und Gasmärkten stiegen die Preise spürbar. Entscheidend waren vor allem die Entwicklung der Gas- und LNG-Versorgung, geopolitische Unsicherheiten sowie der Blick auf die Speicherbefüllung vor dem Winter. Gleichzeitig blieben die Spotmärkte volatil: Hohe Einspeisung aus Photovoltaik führte weiterhin zu niedrigen oder zeitweise negativen Preisen in Mittagsstunden, während Randstunden deutlich höhere Preise aufwiesen. Für Unternehmen wurden zudem zwei regulatorische Themen konkreter: der Industriestrompreis für förderfähige Sektoren und der geplante Preiskorridor beim nationalen CO₂-Preis 2027. Der Monatsrückblick zeigt: Die Versorgungslage bleibt beherrschbar – Beschaffungs- und Investitionsentscheidungen sollten dennoch bewusst gesteuert werden.
Was den August 2026 geprägt hat
Gas und Wintervorbereitung: Ende August beziehungsweise zum Monatswechsel waren die deutschen Gasspeicher zu rund 53 % gefüllt. Die Versorgung blieb gewährleistet, der Sicherheitspuffer für den Winter fiel jedoch geringer aus als in den vergangenen Jahren.
LNG und geopolitische Risiken: Die weltweite LNG-Versorgung und anhaltende geopolitische Spannungen blieben ein zentraler Preistreiber. Auch ohne direkte Lieferabhängigkeit aus der Krisenregion wirkte Deutschland über den europäischen und globalen LNG-Markt von diesen Risiken mitbetroffen.
Steigende Risikoprämien: Gas- und Stromterminmärkte reagierten deutlich auf die Unsicherheit. Im August stiegen insbesondere die Gasprodukte für die kommenden Kalenderjahre.
Volatile Spotmärkte: Die hohe zeitliche Spreizung der Strompreise blieb bestehen. Sie dürfte mit der saisonal zurückgehenden PV-Erzeugung zwar abnehmen, Flexibilität bleibt aber ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor.
Mehr regulatorische Klarheit: Die BAFA-Informationen zum Industriestrompreis sowie die Planung für den nationalen CO₂-Preis 2027 machten zwei relevante Kosten- und Entlastungsparameter konkreter.
Strommarkt im Rückblick:
Terminmarkt unter dem Einfluss steigender Brennstoff- und Risikokosten
Die Strompreise am Terminmarkt entwickelten sich im August fest. Die Jahreskontrakte legten im Betrachtungszeitraum vom 3. bis 28. August 2026 für 2027 um + 8,5 %, für 2028 um + 5,7 % und für 2029 um + 4,8 % zu.
Bei den Quartalskontrakten stieg Q4.26 um + 4,8 %, Q1.27 um + 9,5 % und Q2.27 um + 5,7 %.
Der wichtigste Impuls kam vom Gasmarkt: Höhere Gaspreise und wachsende Risikoprämien schlugen unmittelbar auf die Strompreise durch. Zusätzlich blieben CO₂-Kosten, Wetterrisiken und die europäische Erzeugungssituation relevante Einflussgrößen. Die Preisbewegung im August zeigte damit erneut die enge Kopplung zwischen Strom- und Brennstoffmärkten.
Gestiegene Risikoprämien sind kein Anlass für hektische Vollbeschaffung. Sie sind aber ein klarer Anlass, offene Mengen, Preisgrenzen und die eigene Beschaffungsstrategie zu überprüfen."
Markus Barella
Preisentwicklung Strom | Spotmarkt
Strom | EEX Day-Ahead
Die durchschnittlichen monatlichen Strompreise am EPEX-Spotmarkt lagen im August 2026 um + 11,7 % über dem Juliwert. Der Markt blieb von einer ausgeprägten Volatilität geprägt: Bei hoher Einspeisung aus Solar- und Windenergie gaben die Preise deutlich nach und fielen vereinzelt ins Negative. Bei geringerer erneuerbarer Erzeugung, hoher Nachfrage oder eingeschränkter konventioneller Erzeugung traten dagegen deutliche Preisspitzen auf.
Für Unternehmen mit Spotmarktanteilen unterstreicht diese Entwicklung die Bedeutung des individuellen Lastprofils. Insbesondere die zeitliche Steuerung von Verbräuchen, Speichern und flexibel elektrifizierbaren Prozessen kann darüber entscheiden, wie stark sich die Börsenpreise tatsächlich auf die Energiekosten auswirken.
Gasmarkt im Rückblick:
Gasversorgung beherrschbar – der Winterpuffer bleibt jedoch kleiner
Der Gasmarkt stand im August im Zentrum der Preisbewegungen. Die deutschen Speicher lagen zum Monatswechsel bei rund 53 % Füllstand. Das ist kein Hinweis auf eine akute Versorgungskrise: Pipelineimporte, LNG-Terminals, weitere Lieferungen während des Winters und der europäische Binnenmarkt bleiben wichtige Elemente der Versorgungssicherheit. Gleichzeitig wird das Zeitfenster für die Befüllung bis zum Winter kleiner.
Als Orientierungswert gilt aufgrund unterschiedlicher Vorgaben für einzelne Speicher in Summe ein Füllstand von etwa 70 % zum 1. November. Ob dieser Pfad komfortabel erreicht werden kann, hängt maßgeblich von den Importmöglichkeiten, der LNG-Verfügbarkeit und dem weiteren Befüllungsverlauf im September und Oktober ab. Ein besonders kalter Winter bleibt das wesentliche Risikoszenario – nicht als Prognose einer Gasmangellage, sondern als Faktor für eine höhere Sensitivität der Versorgungslage und der Preise.
Die Gasterminmärkte reagierten entsprechend deutlich: Im Zeitraum vom 3. bis 28. August 2026 stiegen die Jahreskontrakte für 2027 um +15,9 %, für 2028 um +9,6 % und für 2029 um +3,8 %. Auch die Quartalsprodukte legten zu: Q4.26 um +11,0 %, Q1.27 um +13,4 % und Q2.27 um +12,6 %. Neben dem Speicherstand erhöhten geopolitische Unsicherheiten, Einschränkungen bei LNG-Lieferungen und der Wettbewerb um verfügbare Mengen die Risikoprämien.
Gas | EEX Cal THE | Jahr 2027 - 2029
Die Entwicklung der Gas-Jahreskontrakte zeigt, dass die Risikoprämien auch über den kommenden Winter hinaus in den Markt eingepreist wurden. Die stärkere Bewegung bei den kurzfristigeren Produkten verdeutlicht zugleich: Der Markt bewertet die unmittelbare Winterversorgung als besonders sensibel. Für offene Beschaffungspositionen für 2027 und die Folgejahre bleibt deshalb ein strukturiertes Vorgehen wichtig.
Erdgas | EEX Day-Ahead
Der THE-Day-Ahead-Spotmarkt erreichte im August einen Monatsdurchschnitt von 62,285 €/MWh. Gegenüber Juli entsprach dies einem Anstieg von 15,3 %. Der Markt reagierte empfindlich auf Meldungen zur LNG-Verfügbarkeit, auf Wetterprognosen und auf die Diskussion um die Speicherbefüllung. Die physische Versorgung blieb grundsätzlich gesichert, die Preisbildung war jedoch deutlich risikogetrieben.
Für Unternehmen mit Spotmarktbezug wurde die Kostenentwicklung damit spürbar: Zwischen Juni und August erhöhte sich das durchschnittliche Preisniveau laut Markteinordnung um fast 2 ct/kWh. Eine reine Abwarteposition ist daher ebenfalls eine bewusste Entscheidung für Marktrisiko.
Erdgasspeicher | Deutschland
Die Speicherentwicklung sollte nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Speicherfüllständen, kontinuierlichen Importen, LNG-Verfügbarkeit und tatsächlichem Winterverbrauch. Im August war die Versorgungssituation beherrschbar, zugleich aber weniger komfortabel als in den außergewöhnlich gut gefüllten Jahren zuvor.
CO2-Zertifikate und Wechselwirkungen:
EUA-Preise mit moderatem Anstieg – weiter relevant für die Strompreisbildung
Die europäischen Emissionszertifikate entwickelten sich im August vergleichsweise moderat. Der EUA-Leitkontrakt Dezember schloss in der letzten Augustwoche bei 82,74 €/t; im Monatsverlauf ergab sich ein Anstieg von 0,9 %. Nach dem deutlicheren Rückgang zu Jahresbeginn zeigte sich über das vergangene Halbjahr wieder eine leicht aufwärts gerichtete Tendenz.
CO₂-Kosten blieben damit ein relevanter Baustein der Strompreisbildung und verteuerten insbesondere die fossile Stromerzeugung. Im August waren sie jedoch nicht der dominante Treiber der Preisbewegung: Die deutlichere Wirkung ging von den Gaspreisen und den geopolitischen Risikoprämien aus.
EUA | EEX EUA Futures | Dec 2016
Rolle der erneuerbaren Energien:
Mehr Erzeugung im Jahresvergleich – saisonaler Wandel steht bevor
Die erneuerbare Stromerzeugung entwickelte sich von Januar bis August 2026 besser als im Vorjahreszeitraum. Die Photovoltaikeinspeisung lag um 12,3 % und die Windeinspeisung um 15,1 % über dem Vergleichszeitraum 2025. Diese zusätzlichen Mengen wirkten grundsätzlich preisdämpfend auf die Stromspotmärkte.
Gleichzeitig zeigte der August die Kehrseite der wetterabhängigen Erzeugung: Gerade die hohe PV-Produktion in den Mittagsstunden verstärkte die zeitliche Spreizung am Spotmarkt. Mit dem saisonalen Rückgang der Solarerzeugung wird dieser Effekt in den Herbstmonaten voraussichtlich geringer. Dann gewinnt die Windkraft wieder an Gewicht. Wie stark sie die Preise dämpfen kann, hängt vom tatsächlichen Wetterverlauf ab.
Einspeisung Erneuerbare Energien
Bedeutung für Ihr Unternehmen
Was Sie aus diesem Monat mitnehmen sollten
Der August 2026 hat gezeigt, dass bekannte Risiken kurzfristig wieder deutlich stärker auf die Energiepreise wirken können. Die Lage verlangt weder Aktionismus noch Abwarten. Für Gas bleibt die Winterentwicklung mit Speicherständen, LNG und Wetter wichtig. Für Strom bleibt die Entwicklung eng mit dem Gasmarkt verbunden, während die Spotmärkte weiterhin eine aktive Steuerung von Lasten und Flexibilitäten belohnen.
Praktische Schlussfolgerungen
Offene Mengen bewusst bewirtschaften: Prüfen Sie Ihre offenen Strom- und Gaspositionen für 2027 und 2028 entlang klarer Preisgrenzen und definierter Beschaffungsregeln.
Langfristabsicherung mitdenken: Auch längere Laufzeiten bis 2030 können für Teilabsicherungen relevant sein, da langfristige Produkte noch nicht im gleichen Umfang nachgezogen haben wie kurzfristigere Kontrakte.
Spotmarktanteile aktiv steuern: Bewerten Sie, ob der Spotmarktanteil zu Ihrem Lastprofil, Ihrer Risikotragfähigkeit und Ihren Flexibilitätsmöglichkeiten passt.
Gasrisiken differenziert einordnen: Der Speicherstand allein ist kein Krisensignal. Er ist jedoch ein wichtiger Baustein bei der Bewertung des verbleibenden Winterrisikos.
CO₂-Kosten in Budgets berücksichtigen: Der nationale Preisrahmen für 2027 verbessert die Planbarkeit, lässt die wirtschaftliche Relevanz fossiler Energieträger jedoch bestehen.
Expertenempfehlungen: Drei konkrete Punkte
Empfehlung 1: Beschaffungsstrategie überprüfen: Hinterfragen Sie zum Jahresende Ihre Tranchenlogik. Nicht zu beschaffen bedeutet ebenfalls, ein Preisrisiko bewusst offen zu lassen.
Empfehlung 2: Industriestrompreis jetzt vorbereiten: Prüfen Sie frühzeitig Wirtschaftszweig, WZ-Code, anrechenbaren Stromverbrauch und mögliche Dekarbonisierungsmaßnahmen.
Empfehlung 3: Investitionen strategisch bündeln: Stimmen Sie ohnehin geplante Effizienz-, Speicher-, Elektrifizierungs- oder EE-Projekte zeitlich und nachweisbar auf mögliche Förderanforderungen ab.
Wer Energie strukturiert einordnet, kann auch in komplexen Märkten handlungsfähig bleiben."
Markus Barella
Einordnung zur Aktualität dieses Beitrages
Dieser Beitrag wurde im Nachgang zum EnergieMarktreport-Webinar erstellt und ordnet die Marktentwicklungen des Monats Mai 2026 retrospektiv ein. Er dient damit der nachträglichen Einordnung von Marktbewegungen, Preisentwicklungen und Einflussfaktoren des betrachteten Monats. Spätere Marktveränderungen, die nach dem Webinar beziehungsweise nach dem Berichtszeitraum eingetreten sind, sind in dieser Rückschau nicht berücksichtigt.
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FAQ - Schnelleinblick in die Marktentwicklungen im Mai 2026
1) Warum sind die Gaspreise im August 2026 gestiegen?
Die Gaspreise wurden vor allem durch geopolitische Unsicherheiten, Risiken bei der weltweiten LNG-Versorgung und den Blick auf die Speicherbefüllung vor dem Winter gestützt. Diese Faktoren erhöhten die Risikoprämien an den Märkten.
2) Gab es im August eine Gaskrise in Deutschland?
Nein. Die Versorgung blieb gewährleistet. Die deutschen Speicher lagen jedoch mit rund 53 % deutlich unter den hohen Niveaus der vergangenen Jahre. Dadurch war der Winterpuffer geringer und der Markt reagierte sensibler auf Risiken.
3) Welches Speicherziel ist bis zum 1. November relevant?
Aufgrund unterschiedlicher Vorgaben für einzelne Speicher wird für Deutschland in Summe ein Wert von etwa 70 % als Zielpfad eingeordnet. Entscheidend bleibt, wie sich Befüllung, Importe und LNG-Verfügbarkeit im Herbst entwickeln.
4) Wie entwickelten sich die Strom-Jahreskontrakte im August?
Die Strom-Jahreskontrakte stiegen im Zeitraum vom 3. bis 28. August 2026: für 2027 um 8,5 %, für 2028 um 5,7 % und für 2029 um 4,8 %.
5) Wie entwickelten sich die Gas-Jahreskontrakte im August?
Die Gas-Jahreskontrakte legten im Zeitraum vom 3. bis 28. August 2026 deutlich zu: für 2027 um 15,9 %, für 2028 um 9,6 % und für 2029 um 3,8 %.
6) Wie teuer war Erdgas am Spotmarkt im August 2026?
Der durchschnittliche THE-Day-Ahead-Preis lag im August bei 62,285 €/MWh. Gegenüber dem Juliwert entsprach dies einem Anstieg von 15,3 %.
7) Wie entwickelten sich die Stromspotpreise?
Die durchschnittlichen Stromspotpreise lagen im August 2026 um 11,7 % über dem Juliwert. Gleichzeitig blieben die stündlichen Preise stark volatil.
8) Welche Rolle spielten erneuerbare Energien?
Photovoltaik und Windenergie wirkten grundsätzlich preisdämpfend. Von Januar bis August lag die PV-Erzeugung 12,3 % und die Windeinspeisung 15,1 % über dem Vergleichszeitraum 2025. Ihre wetter- und tageszeitabhängige Einspeisung verstärkte jedoch die Preisschwankungen am Spotmarkt.
9) Was bedeutet der Industriestrompreis für Unternehmen?
Das Instrument gilt für 2026 bis 2028 und richtet sich an Unternehmen in 91 förderfähigen strom- und handelsintensiven Sektoren. Für 2026 beträgt der Referenzpreis 8,744 ct/kWh, der Zielpreis 5,0 ct/kWh. Maximal ergibt sich rechnerisch eine Wirkung von rund 1,872 ct/kWh auf den gesamten anrechenbaren Verbrauch. Mindestens 50 % der Förderung müssen in Dekarbonisierungsmaßnahmen reinvestiert werden.
10) Wie entwickelt sich der nationale CO₂-Preis 2027?
Für 2027 ist ein Preiskorridor von 55 bis 65 €/t CO₂ geplant. Das schafft mehr Planungssicherheit gegenüber einer vollständigen Kopplung an den europäischen Emissionshandel. CO₂-Kosten bleiben dennoch ein wesentlicher Kostenbestandteil fossiler Energieträger.
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